Paper Prototyping

Paper Prototyping

Ein initialer Prototyp hilft allen Stakeholdern ein gemeinsames Verständnis für das neue Produkt klar vor Augen zu haben.

Ich habe es oft erlebt, dass beim Start eines Projekts langwierig diskutiert wird, meistens über bevorstehende Probleme und Herausforderungen, die sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht stellen. Die Teilnehmer sprechen noch nicht eine Sprache und jeder hat eine andere Vorstellung des finalen Produkts. Daher hilft zu Beginn eines Projekts die gemeinsame Entwicklung eines Prototypen, der das zu realisierende Produkt widerspiegelt um eine gemeinsame Zielvorstellung oder Vision von dem fertigen Produkt zu bekommen. Ich möchte die Entwicklung eines Prototypen anhand eines Erfahrungsberichts beschreiben.

Beim Global Sustainabilty Jam Ende November letzten Jahres sollte eine Lösung zum Thema “AB3” erarbeitet werden. Wir sind das Thema mit Hilfe eines Design Thinking Prozesses angegangen. Nach Teamfindung, Problemanalyse und initialer Recherche im Internet und durch Interviews mit Passanten ging es anschließend um die Lösungsfindung und den Bau eines Prototypen.

 

Einfach mal loslegen

In unserem Team hatten wir uns darauf geeinigt eine mobile Applikation zu entwickeln, die den Anwender dabei unterstützt sich gesund zu ernähren. Dabei sollte sie seinen persönlichen (Bio-) Rhythmus berücksichtigen – daher der Name “Rhythm-Foods”. Wir hatten bereits viele mögliche Features des Produkts gesammelt. Ein Bild der App entstand bereits in unseren Köpfen; in jedem Kopf allerdings eine andere… Nach dem Startschuss für den Bau des Prototypen versanken wir zunächst in verbalen Diskussionen.

 

Der Paper Prototyp

Ich hatte mich mit Johannes aus der Diskussion ausgeklinkt und wir fingen an den Inhalt und die Funktion unserer Anwendung auf Papier grob zu skizzieren und zu kategorisieren; angefangen mit den Funktionen, von denen wir bereits eine grobe Vorstellung aus den vorangegangenen Gesprächen gewonnen hatten. Somit hatten wir eine initiale Diskussionsgrundlage geschaffen. Zwei weitere Mitglieder aus dem Team kamen dazu und unterstützten uns.

 

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Anschließend haben wir Screens / Mockups der App gezeichnet und diese in eine Reihenfolge gebracht (siehe unten). Daraus ergab sich ein Ablauf zwischen den Screens, der eine Geschichte erzählte. Hierbei offenbarten sich schnell Lücken im Fluss. Daraus resultierend kamen weitere Screens, die für eine benutzerfreundliche Navigation sinnvoll erschienen, oder neue Interaktionselemente hinzu oder werden geändert. Mittlerweile war das ganze Team beteiligt und wir hatten gemeinsam eine Story mit etwa 20 Screens fertiggestellt.

 

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P.O.P.

Ich hatte vor einiger Zeit über P.O.P. (Prototyping on Paper) gelesen, eine verblüffend simple Anwendung für die Erstellung von Klick-Prototypen für iPhone- und Android-Apps. Zunächst wurden die vorher erstellten Zeichnungen der Screens fotografiert. Anschließend wurden pro Screen Bereiche definiert und Aktionen dahinter gelegt. Diese Aktionen werden aufgerufen, wenn der Bereich berührt wird. Beispiel: über einen gezeichneten Button definiere ich einen rechteckigen Ausschnitt. Beim Berühren dieses Ausschnitts (den Button) wird zu einem anderen Screen gesprungen (siehe unten).

 

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Nachdem wir den Workflow in P.O.P. abgebildet hatten, haben wir gesehen, dass unsere Navigation doch nicht so gut durchdacht war, so dass wir hier nachbessern mussten. Nach weiteren 15 Minuten war unser erster Prototyp fertig. Insgesamt hat die Entwicklung etwa zwei Stunden Zeit in Anspruch genommen. Unten seht ihr den Prototypen in Aktion (Jan war der Name unserer Persona). Hier könnt ihr diese erste Version des Prototypen selbst ausprobieren.

 

 

Wohlgemerkt, es handelt sich um einen ersten Prototypen, in den nicht viel Zeit und Geld investiert wurde, der aber a) ein gemeinsames Verständnis im Team über das zu realisierende Projekt erzeugt hat und b) als Grundlage für ein erstes Stakeholder-Feedback ausreichend war (in diesem Falle von den anderen Teams). Man kann damit sehr schnell feststellen, ob man mit der Lösung vollkommen falsch liegt oder welche Änderungen man in einer zweiten Iteration vornehmen sollte. Weitere Prototypen können (und sollen) folgen.

 

Résumé

Wir empfehlen jedem ein Projekt mit einem Prototypen des zu realisierenden Produkts zu beginnen – nehmt Blatt und Stift in die Hand und los geht’s. Zusammen im Team, vor allem aber mit Kunden, erleben wir, dass sich hierdurch viele Unklarheiten aus dem Weg räumen lassen. Alle bekommen ein klares Bild von dem zu entwickelnden Produkt. Tools wie P.O.P. helfen dabei die Anwendung (im Vergleich zu rein gezeichneten Screens) noch realitätsnäher wirken zu lassen. Andere Möglichkeiten, die ich schon verwendet habe, sind professionelle Tools wie Balsamiq Mockups, entwicklungsnahe Tools wie WindowBuilder, oder Power Point oder Excel. Letzteres verwende ich zurzeit für eine Web-Anwendung mit einem strukturierten Bildschirmaufbau (Eingabefelder sowie Tabellen zur Darstellung).

 

Prototpying Tools

P.O.P. (Prototyping on Paper)

Balsamiq Mockups

Axure

Eclipse – WindowBuilder

 

Weitere Hilfsmittel

UI Stencils

 

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