Mit der Cover Story die Produktvision stärken

Mit der Cover Story die Produktvision stärken

Die hier vorgestellte Cover Story verfolgt einen spielerischen Ansatz um mit einem Team eine Produktvision zu entwickeln oder zu stärken.

Voraussetzungen

  • 2-20 Teilnehmer
  • 1-2 Stunden Zeit (je nach Anzahl Teilnehmer)
  • Vorlagen (siehe Artikel)
  • Ausreichend Stifte in verschiedenen Farben, optional weiteres Bastel-Material

Wie im einleitenden Artikel über die Produktvision erwähnt, ist es wichtig, dass ein Team ein gemeinsames Bild über das zu realisierende Produkt oder die Dienstleistung besitzt. Diese Produktvision signalisiert wohin die Reise geht. Dieses Bild motiviert das Team, die gesetzten Ziele zu erreichen. Wie bereits erwähnt, existieren verschiedene Ansätze eine Produktvision zu erstellen. Die hier vorgestellte Cover Story verfolgt einen spielerischen Ansatz um mit einem Team eine Produktvision zu entwickeln oder zu stärken.

 

 

Der Cover Story Ansatz

Ziel der sogenannten Cover Story (Titelgeschichte) ist die Entwicklung oder Stärkung einer gemeinsamen Produktvision. Dieses aus dem Buch Gamestorming entnommene Vorgehen, versetzt die Teilnehmer in die Zukunft; ein paar Wochen oder Monate nachdem das Projekt erfolgreich ausgerollt wurde. Wer wünscht sich dann nicht ein Lob für seine harte Arbeit, in Form einer dem finalen Produkt gewidmeten Titelseite in einer bekannten Zeitschrift oder ein abgedrucktes Interview mit dem Projektteam? Wer malt sich nicht gerne das Lob seines Chefs, ja der gesamten Belegschaft aus? Genau diese Produktvision entwickele ich mit Hilfe der Cover Story.

 

Vorbereitung

Wir stellen uns vor, dass Projekt bei dem ein Produkt oder eine Dienstleistung entwickelt wurde, ist fertiggestellt und schon ein paar Wochen auf dem Markt: Was würde auf der Titelseiten einer relevanten Zeitschrift stehen, die über das Produkt berichtet? Welche Merkmale würde die Zeitschrift in ihrem Artikel herausstellen? Was sagen die Kunden? Was sagen Kollegen und Vorgesetzte? Diese Fragen werden auf einer Vorlage (Canvas), wie unten (oder hier) dargestellt, beantwortet.

 

Cover Story Canvas

Cover Story Canvas

 

Ich bereite häufig eine angepasste Vorlage, bezogen auf den jeweiligen Kontext vor. Für eine Inhouse-Anwendung habe ich z.B. anstatt der Titelseite eines Magazins, einen Screenshot des Intranets gemacht und über den Inhaltsbereich eine weiße Fläche gelegt, der beschriftet werden sollte. Die Vorlage kann erweitert werden um Platzhalter für Fotos, die Aussagen von Kunden und anderen Stakeholdern, gewonnene Preise, fiktive Interviews, Rezensionen des Produkts und mehr. Die Vorlage zeichne ich auf ein Flipchart-Papier; kleiner sollte sie nicht sein.

In der Regel lasse ich 3-4 Teilnehmer an einer Cover Story arbeiten, d.h. ich fertige entsprechend viele Vorlagen an. Wurde bereits eine Produktvision erstellt, die verinnerlicht oder überprüft werden soll, so stelle ich diese zu Beginn vor. Diese Produktvision soll mit Hilfe der Cover Story mit den Teilnehmern dann verbildlicht werden.

Neben der Vorlage stelle ich Stifte in verschiedenen Farben und Stärken, Bilder von Personas oder von echten Stakeholdern, ausgeschnittene Titel von Zeitschriften oder mehr bereit; hier sind keine Grenzen gesetzt, ich empfehle aber, sich hier an der Zielgruppe zu orientieren.

 

Durchführung

Mit der Einführung versetzt der Moderator die Teilnehmer in die Zukunft “Wir befinden uns im Jahre 2016. Unser Produkt ist auf dem Markt und unsere Kunden sind vom Ergebnis begeistert. Seit dem Rollout melden sich 1.000 neue Besucher auf unserer Seite an. Schon nach der ersten Woche haben wir ein Umsatz-Plus von € 123.000 erzielt …”.

Anschließend wird time-boxed (zeitlich begrenzt) in den Gruppen an der Cover Story gearbeitet.

Bei mehr als einer Gruppe, gebe ich den Teilnehmern initial etwa 15 Minuten Zeit. Anschließend verwende ich einen World Café Ansatz: Ein Teilnehmer (Story Owner) aus jeder Gruppe bleibt bei seiner Cover Story und die anderen Teilnehmer ziehen zu einer der anderen Cover Stories weiter. Der Story Owner erklärt der neuen Gruppe die von der vorherigen Gruppe entwickelte Cover Story. Anschließend haben die neuen Gruppen Zeit die Cover Story zu ergänzen; dieses Mal in kleineren Intervallen von etwa 10 Minuten. Anschließend erfolgen weitere Iterationen. In der Regel lasse ich die Teilnehmer, je nach Größe, 1-2h an den Cover Stories arbeiten. Bei wenigen Teilnehmern (bis maximal 3-4) lasse ich diese insgesamt etwa 30-45 Minuten an einer Cover Story gemeinsam arbeiten.

Wie oben beschrieben, dauert die erste Runde erfahrungsgemäß häufig länger, da die Gruppe erst einmal warm werden muss (“Was sollen wir denn überhaupt schreiben? Mir fällt nix ein.”). Hier unterstütze ich den kreativen Prozess mit Fragen wie: “Wer sind diejenigen, die Interesse an den Ergebnissen des Projekts haben? Wie und an welchen Stellen macht sich der Erfolg des Produkts bemerkbar?” Hier kann man sich gut an den Fragen zur Entwicklung einer Produktvision orientieren.

 

Cover Story Example

Cover Story Example

 

Wenn die Teams warm sind, kommen die Ideen recht schnell und die Teilnehmern schaukeln sich gegenseitig auf. Die Teams sollen ruhig übertreiben – allerdings sollte man als Moderator darauf achten, dass die Produktvision noch glaubhaft bleibt und nicht ins Alberne abrutscht. Dies sollte nicht unterschätzt werden! In einem Fall ging es in die Richtung “Herr … wird nach dem erfolgreichen Rollout neuer Direktor. Dr. … musste leider abtreten.” Hier ist Vorsicht geboten!

 

Zum Schluss stellt jede Gruppe ihre Cover Story den anderen Teilnehmern vor.

 

Wie geht es anschließend weiter?

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die fertigen Cover Stories in den Teamspace zu hängen. In einem Projekt hat sich ein Grafiker dran gemacht, den Input der Teilnehmer in das Layout von realen Zeitschriften einzubetten – Titelseite inklusive Story (ähnlich der Abbildung oben). In dem Fall war es das Wired Magazine mit der Schlagzeile “How eCommerce should look like.”; zusammen mit einem abgedruckten fiktiven Interview mit Kunden sowie Kommentaren von berühmten Managern (wie Steve Jobs), Bildern des Teams und mehr. In einem anderen Projekt haben wir Aufsteller von Personas (angefertigt von einer Druckerei) verwendet und ihnen wechselnde Aussagen, die wir in der Cover Story entwickelt haben, in Form einer Sprechblasen in den Mund gelegt. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wir halten es für wichtig, dass die Ergebnisse, in welcher Form auch immer, im Team Space präsent sind.

Es stellt sich noch die Frage nach der Zusammensetzung der Teilnehmer. Man könnte argumentieren, dass den Teilnehmern das zu entwickelnde Produkt oder die Dienstleistung und dessen Mehrwert, bekannt und bewusst sein sollte. Ich habe jedoch gute Erfahrung gemacht, wenn Teilnehmer, mit geringen Vorkenntnissen, zusammen mit Teilnehmern mit breiten Vorkenntnissen in einer Gruppe gemeinsam die Cover Story entwickeln. Die beiden Anteile sollten dann aber ausgewogen sein. Ebenso empfehle ich, dass alle im Projekt involvierten Stakeholder an der Entwicklung am Workshop teilnehmen; insbesondere, um deren Erwartung an das fertige Produkt zu hören.

 

Unser Empfehlungen

Wir raten die Cover Story regelmäßig durchzuführen, insbesondere, wenn neue Mitglieder im Team dazustoßen, oder man den Eindruck gewinnt, das Team arbeitet nicht mehr für die Vision. Die Dauer für die Entwicklung der Cover Story ist gering, der Effekt ist erfahrungsgemäß sehr groß. Hier sollte man sich für jede Iteration etwas Neues einfallen lassen, z.B. mal die Erstellung einer Titelseite und Titel-Story, ein anderes Mal fiktive Interviews mit potentiellen Kunden, Kollegen und Vorgesetzen, Schreiben von Rezensionen über das fertige Produkt, und ähnliches.

Beim ersten Ausprobieren dieser Methode kann man mit der Standard-Vorlage gut arbeiten; aber wie bei allen Themen: tauscht euch bezüglich Erfahrungen, Vorlagen und Ideen mit Kollegen aus; und probiert öfters mal ‘was Neues :-). Wir wünschen viel Spaß und freuen und uns über Feedback.

 

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7 comments

  1. Pingback: Projektpfad – I have a dream – Wozu Produktvision?

  2. Pingback: Projektpfad – Das Team auf dem Prüfstand

  3. Kim

    Sehr tolle Methode. Vielen Dank für den Tipp

    • Sunshine

      I’m imprsseed you should think of something like that

  4. Christoph

    Hallo Kim,

    es würde mich freuen über Deine Erfahrungen mit der Methode zu hören.

    Viele Grüße

    Christoph

    • Ally

      That’s really sherwd! Good to see the logic set out so well.

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